20 Juni 2006

Brief von Helga an: Meine liebe Mutti,

Ich bin so froh für Dich, dass die lange Wartezeit, nun endlich Dein sehr ausgefülltes Leben zum Ende kommen zu lassen, beendet ist. Wie schön, dass es doch eigentlich recht leicht war, loszulassen. Nur leider musstest Du diesen Prozess alleine durchgehen. Ich wäre gerne in diesem Moment bei Dir gewesen, um mich noch einmal bei Dir ganz herzlich für alles zu bedanken, für das, was Du mir gegeben hast, für Deine unendliche Liebe und Sorge. Du hast, mich liebevoll und gewissenhaft versorgt, umsorgt, unterstützt und beschützt. Von diesen Gedanken begleitet hätte ich gerne an Deinem Bett gesessen und Dir zum letzten Mal die Hand gehalten und Deine Stirn zum Abschied geküsst.

Nun hole ich das in Gedanken nach, indem ich gerade eine Kerze vor Deinem Photo vom 80.Geburtstag anstecke. Du hast da ein wunderbares Lächeln auf Deinem Gesicht, während Du einen herrlichen Rosenstrauß im Arm hältst, den Tammy, die Du so gerne mochtest, Dir zu diesem besonderen Tag überreichte. Kannst Du Dich wohl an die guten Kekse erinnern, die sie für Dich gebacken hatte?

Liebe Mutti, wir haben es Dir zu verdanken, als Du seinerzeit den großen Schritt wagtest und die Flucht aus Ost-Berlin in die Tat umgesetzt hast. Sogar mit der Zusicherung, dass unserem Vati eine Anstellung in Stuttgart versprochen war, was Du mutig und eigenhändig in die Wege geleitet hast. Eine heldenhafte Initiative hast Du aufgebracht und damit unsere Zukunft im guten Sinne vorbereitet und enorm verbessert, die auch später dann mit vielen Möglichkeiten bereichert wurde.
Du hast uns Dreien damit ganz neue Wege eröffnet, oft selbstlos und aufopfernd, wofür wir Dir dankbar sind. Immer wieder hast Du es verstanden, Dich durchzusetzen und oft das Unmögliche zu verwirklichen.

Ich denke da an die Zeit, als Du es fertig gebracht hast, mir einen Job als Tennistrainerin zu beschaffen. Damit ich diese Arbeit bestens leisten konnte, hast Du meine Jungen bestens während der Sommermonate drei Jahre lang versorgt. Nicht weniger liebevoll hast Du Dich um sie gekümmert als ich jedes Jahr die Seminare in der Schweiz für viele Wochen lang abhielt. Auf diese Art und Weise haben Adrian und Olaf ihre Omi kennen und lieben gelernt.

Es gibt nur eine solche Mutti und Omi, so wie Du es bist! Wir sind Dir sehr dankbar und werden Dich immer lieb in Erinnerung behalten und werden Dich vermissen.

Deine Helga