21 Juni 2006


Fotos von der Trauer- und Beerdigungsfeier sind jetzt online:
http://www.flickr.com/photos/olafbrandt/sets/72157594172824144/

20 Juni 2006

Brief von Helga an: Meine liebe Mutti,

Ich bin so froh für Dich, dass die lange Wartezeit, nun endlich Dein sehr ausgefülltes Leben zum Ende kommen zu lassen, beendet ist. Wie schön, dass es doch eigentlich recht leicht war, loszulassen. Nur leider musstest Du diesen Prozess alleine durchgehen. Ich wäre gerne in diesem Moment bei Dir gewesen, um mich noch einmal bei Dir ganz herzlich für alles zu bedanken, für das, was Du mir gegeben hast, für Deine unendliche Liebe und Sorge. Du hast, mich liebevoll und gewissenhaft versorgt, umsorgt, unterstützt und beschützt. Von diesen Gedanken begleitet hätte ich gerne an Deinem Bett gesessen und Dir zum letzten Mal die Hand gehalten und Deine Stirn zum Abschied geküsst.

Nun hole ich das in Gedanken nach, indem ich gerade eine Kerze vor Deinem Photo vom 80.Geburtstag anstecke. Du hast da ein wunderbares Lächeln auf Deinem Gesicht, während Du einen herrlichen Rosenstrauß im Arm hältst, den Tammy, die Du so gerne mochtest, Dir zu diesem besonderen Tag überreichte. Kannst Du Dich wohl an die guten Kekse erinnern, die sie für Dich gebacken hatte?

Liebe Mutti, wir haben es Dir zu verdanken, als Du seinerzeit den großen Schritt wagtest und die Flucht aus Ost-Berlin in die Tat umgesetzt hast. Sogar mit der Zusicherung, dass unserem Vati eine Anstellung in Stuttgart versprochen war, was Du mutig und eigenhändig in die Wege geleitet hast. Eine heldenhafte Initiative hast Du aufgebracht und damit unsere Zukunft im guten Sinne vorbereitet und enorm verbessert, die auch später dann mit vielen Möglichkeiten bereichert wurde.
Du hast uns Dreien damit ganz neue Wege eröffnet, oft selbstlos und aufopfernd, wofür wir Dir dankbar sind. Immer wieder hast Du es verstanden, Dich durchzusetzen und oft das Unmögliche zu verwirklichen.

Ich denke da an die Zeit, als Du es fertig gebracht hast, mir einen Job als Tennistrainerin zu beschaffen. Damit ich diese Arbeit bestens leisten konnte, hast Du meine Jungen bestens während der Sommermonate drei Jahre lang versorgt. Nicht weniger liebevoll hast Du Dich um sie gekümmert als ich jedes Jahr die Seminare in der Schweiz für viele Wochen lang abhielt. Auf diese Art und Weise haben Adrian und Olaf ihre Omi kennen und lieben gelernt.

Es gibt nur eine solche Mutti und Omi, so wie Du es bist! Wir sind Dir sehr dankbar und werden Dich immer lieb in Erinnerung behalten und werden Dich vermissen.

Deine Helga

19 Juni 2006

Trauerfeier
Elna Domsch
Samstag, 17. Juni 2006 Augustinum

Lebenslauf
Elna Domsch, geb. Dietrich, wurde am 1. Juni 1913 in Bad Oeynhausen geboren. Ihre Eltern waren der Tabakhändler Wilhelm Dietrich und dessen Ehefrau Hildegard, geb. Leiß. Sie hatte noch zwei Brüder.
Nach der Schule wurde sie Anwaltsgehilfin.
Am 24. Mai 1938 heiratete sie den Dipl. Ing. Günter Domsch aus Dresden. Aus der Ehe gingen eine Tochter und zwei Söhne hervor. Die Familie wohnte in Berlin. Als aber in Berlin die Bombardierung begann, wurde sie mit ihren Kindern 1943 nach Bad Oeynhausen zu den Eltern evakuiert. Dann fielen aber auch dort Bomben, und so wichen sie Ende 1944 nach Dresden (ausgerechnet!) aus, wo sie oberhalb der Stadt bei den Schwiegereltern wohnen konnten. Von dort erlebten sie die Bombardierung Dresdens. Nach dem Krieg zogen sie wieder nach Berlin. Jetzt lag ihre Wohnung im Ostsektor der Stadt. 1959 bereitete Elna Domsch heimlich den Umzug in den Westen vor. Sie konnte für ihren Mann eine Stelle in Stuttgart finden, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1970 arbeitete. 1991 verstarb ihr Mann Günter Domsch, der zuletzt körperlich hinfällig war und im Rollstuhl saß. Im Jahre 2002 zog sie hierher ins Augustinum Bad Neuenahr.
Sie verstarb am 7. Juni, sechs Tage nach ihrem 93. Geburtstag. Sie durfte 5 Enkel und 1 Urenkel erleben.

Predigt 1.Tess.5,18 und 1. Mose 32,27b

Liebe Angehörigen, liebe Trauergemeinde, als Elna Domsch mit ihrem Mann die Hochzeit feierte, wurden den beiden zwei Trauspruche mit auf den gemeinsamen Lebensweg gegeben: Einmal aus dem 1. Buch Mose ,,Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn”, und zum andern aus dem 1. Tess. ,,Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.” Da gaben sich zwei junge Menschen das Ja-Wort, die junge Frau sportlich, beweglich, voller Spannkraft und Energie, und der Mann nach einer Kinderlahmung von Jugend an mit einer Behinderung und körperlich eher schwach. Für beide sollte gelten: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

Dieser Vers steht im Zusammenhang der biblischen Erzählung von Jakob, der auf seinem Weg an eine Furt des Flusses Jabbok kommt und dort in der frühen Morgendämmerung mit einem Engel ringt. Als das erste Morgenlicht am Himmel erscheint, fordert der Engel: “Lass mich gehen!” Offensichtlich ist Jakob ein geschickter Kämpfer. Und darauf erwidert er dem Engel: ,,Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.”

Wie unterschiedlich mussten die beiden jungen Menschen es für sich verstehen! Er konnte sich doch nur, schon besiegt, hilflos anklammern und den Engel, mit dem er kämpfte, um Erbarmen bitten, darum flehen, dass Gott ihm im Augenblick der Niederlage doch wieder aufhilft. Elna Domsch dagegen hatte die Herausforderung schon längst angenommen. Sie stand mitten im Lebenskampf und ließ nicht locker. Und wenn sie Angst gehabt haben sollte, so zeigte sie es nicht. Sie hatte das Selbstbewusstsein, mit Gottes Engel zu kämpfen und diesen Kampf nicht so leicht verloren zu geben! Und dies hat sich in beider Leben durchgehalten. Es war gnädig, dass sich der eine an Gottes Segen klammern konnte, mehr noch, an die von Gott geschenkte starke, selbstbewusste Ehefrau, und die andere von Gott beschenkt worden war mit Energie, Willenskraft und Selbstbewusstsein.

Große Achtung bringe ich dem Pfarrer für sein Einfühlungsvermögen entgegen, der die beiden damals getraut hatte. Um so mehr, als er ihnen ein weiteres Bibelwort mitgegeben hatte: ,,Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.”

Dankbar sein für das, was war, für das, was ist und für das, was kommen wird. ,,Warum muss gerade ich an Kinderlähmung erkranken und mein ganzes Leben schwach sein?” ,,Warum kann ich nicht einen Mann haben, der genau so sportlich ist, wie ich, damit wir gemeinsam Ski fahren oder Tennis spielen können?” Bestimmt waren diese Fragen immer wieder da. Aber da war auch diese ,,Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn”. Da war das Erleben: ,,Danke, dass ich eine so starke Frau habe” und ,,Danke, dass du, Gott, mir so viel Kraft schenkst.” ,,Danke, dass mein Mann den Krieg in Berlin überlebt hat.” ,,Danke, dass wir bei der Bombardierung Dresdens nicht im Stadtzentrum, sondern oben am ,,Weißen Hirsch” waren.” ,,Danke, dass die Bemühungen um ein neues Leben in Stuttgart erfolgreich waren.” ,,Danke für die Bewahrung der Kinder.” ,,Danke für ein langes Leben.” ,,Danke für einen gnädigen Tod.” ,,Seid dankbar in allen Dingen!”

Sie, liebe Angehörige, werden vielleicht bei sich selbst erlebt haben, dass diese beiden Bibelverse, die dem Ehepaar Elna und Günter Domsch damals mit auf den gemeinsamen Lebensweg gegeben worden waren, auch Sie ansprechen! Lassen Sie sich ermutigen, zu kämpfen und nicht locker zu lassen, aber auch, sich in der Niederlage fest zu klammern und auf Hilfe zu hoffen. Für Elna Domsch ist der Lebenskampf zu Ende. Der Segen Gottes ist nun über sie in der ganzen Fülle ausgeschüttet. Sie braucht keine Kraft mehr, weder für sich noch für andere. Das Sorgen hat ein Ende. Dafür können Sie Gott danken.

Amen